30Apr

Thalli, eine Legende in Obertauern

Hervorheben Menschen /

Es gibt Menschen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sei es auf negative oder vor allem aber – wie bei unserer Begegnung – durch eine ganz positive Weise, durch ihre Charaktereigenschaften, Leistungen, die sie vollbracht haben, ihre Werke, die Ausstellungen schmücken oder einfach ihr Wesen. Auf Thalli, Diethard Thallinger, einem inzwischen schon seit über 50 Jahren in Obertauern sesshaft gewordenen Fotografen, trifft so einiges zu. Er besticht jedoch vor allem durch seine Menschlichkeit, Umgänglichkeit und einen Schein, der ihn zu umgeben scheint! Durch sein offenes Wesen fällt es einem leicht, ins Gespräch zu kommen, und so haben Caroline und ich einige interessante Details aus seinem Leben in Obertauern erfahren dürfen.

Caroline: Erzähle uns einmal deine Geschichte der letzten 50 Jahre. Wie hat es dich, als gebürtigen Kärntner, nach Obertauern verschlagen?

Thalli: Das ist einfach! Lustigerweise bin ich in Obertauern picken geblieben, als ich damals mit meiner Mutter nach Salzburg gefahren bin. Da ist man ja früher drüber gerumpelt über den Katschberg. Beim Heimfahren sagt meine Mutter dann:“He, jetzt wäre aber ein Kaffee mal angesagt.“ Damals gab es noch keinen Tunnel und nichts außer einem kleinen Kaffeehaus, bei dem wir direkt Halt machten. Es gehörte zufällig dem damaligen Fremdenverkehrschef von Obertauern, Herrn Kanduth. Dieser suchte seinerzeit gerade ganz dringend einen Fotografen. Ich dachte mir, ja eigentlich, so schlecht wäre das gar nicht weil ich ein Atelier in Knittelfeld und ein Fotogeschäft am Weißensee hatte, und ich außerdem ein begeisterter „Bergfuzzi“ bin. Herr Kanduth – voller Begeisterung:“Du brauchst dich um nichts kümmern, ich organisiere dir das ganze Geschäft. Du brauchst nur zu sagen, ja, du kommst…“ Und so bin ich dann in Obertauern picken geblieben. Das war dann natürlich was Schönes. Ich bin ein begeisterter Segler und die „Lacke“ (umgangssprachlich für See) vor der Tür ist für mich perfekt zum Segeln, und Skifahren kann man auch.

Damals hieß es natürlich auch samstags, sonntags arbeiten auch bei den ganzen Skikursen. Da war noch sehr sehr viel los, und ich habe überall ein Labor gehabt. Überall in den Häusern sind Bands aufgetreten und das fotografierten wir alles, Leute beim Tanzen und Skikurse weil damals waren die Teilnehmer noch großteils Erwachsene. Heutzutage lernen ja die Kinder schon Skifahren in der Schule wenn nicht schon vorher. So habe ich die Geschäfte dann eigentlich aufgebaut und bin dazu gekommen, dass ich die Ortsprospekte mit Dieter Kindl, der der Direktor und Macher auf viele Jahre hin in Obertauern war, gemacht habe, da ich ja Werbefotografie auf der „Grafischen“ in Wien hatte. Dann noch einen Ansichtskartenverlag. Heute schreibt leider keiner mehr Ansichtskarten (lacht). Das war damals ein Boom. Aber heute macht jeder nur „diesen“ (zeigt uns die typische „Selfie“-Haltung) mit dem Handy.

  • "Snowmobile" aus vergangenen Zeiten!

So verbringe ich jetzt meine Zeit hier ohne Geschäft. Ich habe auch die Beatles fotografiert, von denen wir auch eine Ausstellung gemacht haben. Ich muss sagen, das ist die Geschichte von einem, der picken geblieben ist und ich picke noch immer!

„Ich bin der Zerrissene mit zwei Heimaten:  Eine in Kärnten und eine in Salzburg. Es verhält sich 1:1 und es taugt mir so.“

Caroline: Kannst du uns etwas von bewegenden, interessanten Bildern, Bildern von Berühmten erzählen, die du in Obertauern geschossen hast? Die Beatles zum Beispiel sind ja in aller Munde.

Thalli: Ich finde, jedes Foto, das man macht, ist ein Erlebnis. Meine damaligen Professoren an der Grafischen, das ist heute die Höhere Lehr- und Versuchsanstalt mit dem Abschluss Matura, haben mir gesagt, dass man zuerst schauen muss und überdenken. Da musste man auch den Rahmen anschauen wie beim Haus und so weiter. Also eigentlich ist alles interessant, das man so anschaut. Wenn man zum Beispiel ein Plakat macht wie das „G2″, das auch in der Ausstellung hängt, handelt es sich um etwas, das in die Breite geht und dann sagst du:“Ja, ok, das ist von mir.“ Aber es sind so viele andere Fotos, die für mich persönlich wichtig sind.

Caroline: Hast du ein spezielles Lieblingsfoto?

Thalli: Ich mache ja jetzt seit 10 Jahren nichts mehr außer wenn einmal der Hut brennt, wie Hochzeiten (lacht) oder ganz „gach“ (schnell) einmal ein paar Außenaufnahmen weil es gerade so schön zugeschneit ist und das Licht passt, und die Aufträge suche ich mir dann auch aus. Ich lasse mich auch nicht zwangsverpflichten. Da sage ich dann immer:“Burschen, das Licht muss passen, das geht heute nicht.“
Ich muss ehrlich sagen, ich kann das nicht auf einen Punkt bringen wenn man 50 Jahre fotografiert. Ich bin 50 Jahre durch die Welt gereist und habe mein ganzes Geld in Düsenlärm umgelegt. Ich hätte so viele Fotos von Kap Horn angefangen bis weiß Gott wohin. Das ist etwas, das man erlebt, und was man erlebt, verarbeitet man und sagt:“Das war ein Highlight.“

  • Schon im Treppenhaus des Tourismusverbandes wird man von Thallis Bildern begleitet.

Caroline: So ein Pionier wie Sie – Thalli korrigiert gleich das „Du“ – fotografierst du immer noch analog?

Thalli: Ich meine, ich bin nicht sitzen geblieben am Klodeckel. Es ist eines ganz lustig. Ich habe die ganze Entwicklung der Fotografie bis zum Ende des Gewerbes mitgemacht. Weil es gibt jetzt kein Foto-Gewerbe mehr. Jeder kann sich heutzutage anmelden und sagen, du, ich habe ein tolles Auge und so weiter und so fort, und schon kannst du gewerblich fotografieren. Ich habe es von Anfang an mitgemacht, das war die Plattenfotografie, da wart ihr noch junge Puppelen, mit den großen Kameras, das war im Atelier unbeweglich bis hin über die normale Fotografie mit der Hasselblad  und all den anderen Kameras. Die habe ich alle in einen Kasten geschmissen weil ich mich nicht trennen kann. Das war mein Arbeitswerkzeug sowohl am Gipfel wie im Atelier. Natürlich geht man dann in die Digitalfotografie. Die Fotografie hat einen riesigen Schwung gemacht von der damaligen „toten Fotografie“, sage ich immer, mit Belichtungszeiten … Wenn ich heute zu meinem Grafiker ins Büro gehe, glaube ich, ich bin in einer Weltraumstation. Heute gibt es keine echte Fotografie mehr. Leider! Alle Farben, alle Veränderungen stehen an der Tagesordnung, schwindeln wir halt… Leider oder aber gut, weil man flexibler ist in alle Richtungen, was damals nicht der Fall war.

Caroline: Gibt es Besonderheiten an Obertauern im Sommer?

Thalli: Selbstverständlich! Obertauern ist ein Paradies, ein „Naturpark“ mit Seen. Dort wo du im Winter mit den Skiern oder dem Snowboard hinunter fährst, blüht im Sommer der Almrausch, links, rechts, zum Teil sogar auf der Piste. Das ist ein Erlebnis! Wir haben so eine Traumlandschaft mit Seen oben. Du siehst an Traumtagen wie gestern bis zum Großglockner, der Dachstein steigt hinter dir hinaus. Ich finde es schade, dass der Begriff „Wanderbares Österreich“ abgeschafft wurde weil gerade Obertauern so geeignet ist für Wanderungen und Mountainbike-Touren.

Eine Geschichte muss ich euch aber noch erzählen vom Winter. Gestern fahre ich hinauf mit der Gondel, das ist ganz interessant weil Obertauern ist ja nicht groß, aber im Skigebiet brauchst du am ersten Tag einen Plan wenn du dich nicht auskennst. Und da bin ich mit einer Familie hinauf gefahren. Am Lift reden ja nur wenige. Da sitzen sie oben und reden nicht einmal untereinander (lacht). Da sind sie halt da gesessen, und ich bin ein alter Quatscher, und dann frage ich halt den Vater, wo sie denn herkommen. Er antwortet:“Aus Bremen, wir sind am Sonntag gekommen.“ Auf einmal tauen sie dann auf. Die Familie ist also das erste Mal hier – sie fahren sonst in die Schweiz, in die französischen Alpen, in größere Skigebiete. Er erzählte mir, dass sie am ersten Tag mit dem Plan gefahren ist, am zweiten Tag hat er sich schon ausgekannt und „Am dritten Tag“, so hat er gesagt,“Sie werden es nicht glauben, waren wir zu Hause.“
Das hat mir sehr gut gefallen. Zu Hause heißt, er hat gewusst wo er fährt, das Hotel hat auch gepasst, er hat die Hütten schon gekannt und es war für ihn heimisch. Da war ich stolz, weil der Mann war am dritten Tag zu Hause weil eben unser Gebiet überschaubar ist weil wenn du in Frankreich fährst brauchst du einen Guide weil du sonst nicht mehr zurück findest.

Vielen Dank lieber Thalli für das Interview! Es war uns eine Ehre! Wir sehen uns bestimmt wieder in Obertauern!!!

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